Bio-Kriterien

Illustration: 2Dream Productions, Foto: Nikiko/pixabay.com

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4 brennende Fragen rund um Bio

Noch immer herrscht dem Thema Bio gegenüber einige Skepsis: Warum soll Bio besser sein – Produkte aus Österreich oder der EU sind doch eh „gut“? Warum soll man mehr Geld für das (vermeintlich) selbe Lebensmittel ausgeben? Und: Was machen Bio-Bauern eigentlich anders? Die 4 wichtigsten Fragen rund um Bio haben wir hier beantwortet:

1. Was ist überhaupt die Definition von Bio?

Bio ist mehr als nur der Verzicht auf Chemie: Bio- und Ökoprodukte stammen aus ökologisch kontrollierter Landwirtschaft. Als Ökologie werden die Beziehungen zwischen Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt, also z.B. Boden, Wasser und Luft, bezeichnet. Bio bedeutet, dass die Landwirte sich an bestimmte Regeln halten müssen und ihre Produkte unter strengen Regelungen und Kontrollen herstellen. Zum Beispiel dürfen keine chemischen Pestizide, Geschmacksverstärker oder synthetischen Farbstoffe verwendet werden, die Mensch, Tier und Umwelt schaden könnten!

 

Nur echte Bio-Produkte dürfen die folgenden Bezeichnungen tragen:

  • aus (kontrolliert) biologischem/ökologischem Anbau/Landbau
  • aus (kontrolliert) biologischer/ökologischer Landwirtschaft

Bezeichnungen wie „aus naturnahem“, „aus kontrolliertem“ oder „aus umweltfreundlichem Anbau“ bedeuten nicht automatisch Bio und sind irreführende Werbung!

 

In ökologisch kontrollierter Landwirtschaft dürfen die Bauern

Im konventionellen Anbau finden sich 4x so oft Pestizidrückstände wie im biologischen.

  • keine Pflanzenschutzmittel und chemische Dünger verwenden,
  • keine Gentechnik einsetzen,
  • Tiere nur artgerecht halten, zum Beispiel mit genügend Auslauf oder Suhlplätzen,
  • Tieren nur im Notfall Antibiotika verabreichen, und
  • Tieren keine Hormone geben, z.B. zum Wachstum.

Die Bio-Landwirtschaft kommt also ganz ohne Chemie, Gentechnik, Tierquälerei, Antibiotika und Hormone aus. Garantiert!

Glückliche Hühner

Foto: Brooke Cagle/unsplash.com

 

2. Warum sind Bio-Produkte teurer?

Bio-Produkte kosten ein wenig mehr als Lebensmittel aus konventionellem Anbau. Warum ist das so, und was haben Mensch und Tier davon?

Aus Platzgründen
Bio-Landwirte müssen ihren Tieren genügend Auslauf zur Verfügung stellen und sie möglichst mit selbst angebauten Pflanzen füttern: Sie brauchen also mehr Platz für weniger Tiere und müssen ihre Felder auch für den Anbau von Futtermitteln verwenden.

Aus Zeitgründen
Da ein Bio-Bauer aus erwähnten Platzgründen weniger Tiere hat, braucht er länger, um dieselbe Menge an Fleisch, Milch oder Eiern zu produzieren. Im biologischen Landbau wird außerdem auf eine natürliche Feld- und Fruchtfolge geachtet – den Feldern wird genügend Zeit gelassen, um sich zu erholen und genügend Nährstoffe zu produzieren. Durch den Verzicht auf synthetische Dünger wachsen die Pflanzen auch weniger bzw. brauchen sie länger.

Aus Wachstumsgründen
Da Wachstumshormone im Bio-Landbau verboten sind, geben z.B. die Kühe weniger Milch und die Schweine nehmen langsamer zu als konventionell gehaltene Tiere. Das heißt auch, dass die Tiere mehr und länger gefüttert werden müssen – was wiederum mehr Geld kostet.

Obst, Gemüse und Getreide aus Bio-Anbau enthält bis zu 69% mehr Antioxidantien.

Ein Bio-Bauer braucht also mehr Zeit und hat einen höheren Aufwand, um dieselben Produkte wie ein konventioneller Bauer anzubieten. Dieser Mehraufwand spiegelt sich jedoch nicht nur im Preis wider, sondern auch in der Qualität der Lebensmittel!

Bio-Landwirtschaft

Foto: Didgeman/pixabay.com

 

3. Welche vertrauenswürdigen Bio-Siegel gibt es?

Grundsätzlich gilt: Wo Bio drauf steht, muss auch Bio drin sein – das ist in Österreich und der EU gesetzlich geregelt. Man unterscheidet dabei zwischen Bio-Siegel und Bio-Marke:

Ein Bio-Siegel (z.B. AMA) kann mehrere Bio-Marken auszeichnen und gibt eigene, meist strengere Richtlinien als die EU vor. Es muss von einer unabhängigen Institution geprüft werden.

Bio-Marken (z.B. Ja! Natürlich) müssen das nicht zwangsläufig – sie werden nach gesetzlichen Gesichtspunkten des EU Bio-Siegels geprüft, können sich aber freiwillig auch nach strengeren Richtlinien eines Bio-Siegels überprüfen lassen.

Alle Bio-Produkte müssen einen Code tragen, der ungefähr so aussieht: AT-BIO-000. Der Code zeigt an, wo und von welcher Kontrollstelle das Produkt kontrolliert wurde.

Die wichtigsten Bio-Siegel im Überblick

  • BIO Austria ist ein Verein zur Förderung des biologischen Landbaus in Österreich. Es gelten die EU-Bio-Verordnung 834/2007, sowie die Codexrichtlinien A8 und die BIO-Austria Verbandsrichtlinien.
  • Das AMA Bio-Siegel garantiert die biologische Landwirtschaft und den kontrolliert biologischen Anbau der Rohstoffe des Lebensmittels.
  • Lebensmittel, die das Deutsche Bio-Siegel tragen, verzichten z.B. auf Gentechnik, synthetische Pflanzenschutzmittel, Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Farbstoffe und Emulgatoren.
  • Demeter ist ein internationaler Bio-Verband, der unter dem geschützten Siegel biologisch-dynamisch erzeugte Produkte verkauft – 100% der Zutaten sind ökologischer Herkunft.
  • Produkte mit dem europäischen Bio-Siegel stammen zu mindestens 95% aus ökologischem Anbau.
  • Die ARGE Biofisch gibt Richtlinien für die Fisch- und Teichwirtschaft im Süßwasser vor. Es dürfen unter anderem keine chemischen Wachstumsförderer, Hormone oder synthetischen Zusatzstoffe in den Futtermitteln verwendet werden.
  • Das Marine Steward Council (MSC) hat eine ganze Reihe von Prinzipien und Kriterien für nachhaltigen Fischfang entwickelt. Unter anderem muss die gesunde Population der gefangenen Spezies aufrechterhalten oder wiederhergestellt werden.
Bio-Zertifizierungen

Bio-Zertifizierungen

 

Die bekanntesten Bio-Marken von Supermarktketten

  • Ja! Natürlich (REWE)
  • Zurück zum Ursprung (Hofer)
  • Spar Natur Pur (Spar)
  • Bio vom Berg (MPreis)
  • Biotrend (Lidl)
  • EchtB!O (Penny)
  • Natur aktiv (Hofer)
  • denn’s (Bio-Supermarkt)

Auch das Buch „Der große Bio-Schmäh“ ist lesenswert!

Noch mehr Infos zu den Bio-Richtlinien können Sie bei Die Grünen, auf Wikipedia und im Buch „Das Buch der 7 Siegel“ der Ökodatenbank Österreich (ISBN 3-9501837-4-0) nachlesen!

 

4. Ist Bio wirklich besser?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, überprüfte die österreichische NGO GLOBAL 2000 vor kurzem in ihrem Bio-Test 25 biologisch und 29 konventionell erzeugte Obst- und Gemüseprodukte.

In den konventionellen Produkten ließen sich 37 verschiedene Pestizidwirkstoffe nachweisen10 davon stehen sogar im Verdacht, das Hormonsystem negativ zu beeinflussen. Diese hormonell wirksamen Chemikalien werden von der Weltgesundheitsorganisation WHO mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Formen von Krebs, Fruchtbarkeitsstörungen, Diabetes, Herz- Kreislauferkrankungen und anderen Zivilisationskrankheiten in Zusammenhang gebracht. Die Hälfte der in diesem Test gefundenen hormonell wirksamen Pestizide lassen sich im menschlichen Organismus auch nachweisen: mit Blut-, Harn-, Muttermilch- oder Haaranalysen.

In den biologisch hergestellten Produkten ließen sich nur im Falle einer Avocado, die zu Unrecht als „Bio“ deklariert wurde, Spuren eines Pestizids nachweisen.

Mit unserem täglichen Essen führen wir uns also mitunter Pestizide, Giftstoffe und hormonell wirksame Chemikalien zu, wenn wir nicht auf die Herkunft der Lebensmittel achten!

Die gute Nachricht: Eine Untersuchung aus Schweden zeigt, dass die Umstellung auf biologische Ernährung schon innerhalb von wenigen Tagen zu einem deutlichen Rückgang der Belastung durch Pestizidwirkstoffe bzw. deren Abbauprodukten im Körper führt. Also: GO BIO!

FAZIT: Auch wenn Bio oft um bis zu 50% teurer ist, sollte uns das unsere Gesundheit wert sein – nicht nur für uns selbst, sondern auch für die Erde, das Wasser und die Luft, von der wir alle leben, essen, trinken und atmen.

In Kategorie: Intern

Über die Autoren

Sandra und Yvonne sind die Inhaberinnen von DIE MARILLA, Wiens grüner Werbeagentur. Sie bloggen hier über Nachhaltigkeit im Privat- und Berufsleben. Und informieren über DIE MARILLA-Neuigkeiten.

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