Ökologisch kochen

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Lebensmittelverschwendung: 9 Tipps für ökologisches Einkaufen und Kochen

Pro Jahr landen österreichweit ca. 157.000 Tonnen an verpackten und unverpackten Lebensmitteln und Speiseresten im Müll. Das sind 19 kg pro Kopf und entspricht einem Wert von durchschnittlich 300 Euro pro Jahr und Haushalt!

Am häufigsten entsorgt werden in Österreich Brot sowie Süß- und Backwaren mit 28 Prozent. Platz 2 der Lebensmittelabfälle machen Obst und Gemüse aus (27 Prozent). Milchprodukte und Eier rangieren mit 12 Prozent auf Platz 3, und Fleisch, Wurst und Fisch kommen mit 11 Prozent auf Platz 4.
(Quelle: Institut für Abfallwirtschaft, BOKU Wien, DI Felicitas Schneider et. al., „Sekundärstudie Lebensmittelabfälle in Österreich“, November 2012)

Lebensmittelverschwendung vorzubeugen schont also nicht nur die Umwelt, sondern auch die Geldbörse. Hier kommen unsere 9 besten Tipps, um sie zu vermeiden!

9 Tipps gegen Lebensmittelverschwendung in Österreich

1) Richtiges Einkaufen

Einkaufskorb

Foto: leoniewise/unsplash.com


Einkaufslisten lassen sich übersichtlich am Smartphone verwalten, z.B. mit der App ShopShop.

Ein gut geplanter Einkauf ist der erste Schritt zu weniger Lebensmitteln im Müll. Gehen Sie niemals hungrig einkaufen, denn das führt zu vielen Spontankäufen von Dingen, die man gar nicht benötigt. Überlegen Sie sich, bevor Sie sich auf den Weg machen: Was möchte ich wann kochen und essen?

Überprüfen Sie zuhause, welche Lebensmittel noch vorhanden sind und welche gekauft werden müssen. Erstellen Sie eine Einkaufsliste und halten Sie sich auch daran! Lassen Sie „Kauf 3, zahl 2“-Angebote, besonders bei verderblichen Produkten, links liegen, und achten Sie auf Regionalität und Saisonalität.

Gute Alternativen oder Ergänzungen zum Supermarkt sind übrigens Food-Coops, Bio-Kisten (z.B. von Biomitter) und verpackungsfreie Supermärkte in Wien, Linz oder Innsbruck.

 

2) Haltbarkeit verstehen
Generell bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum nichts anderes, als dass der Produzent garantiert, dass das Produkt bis zu mindestens diesem Datum haltbar ist. Das bedeutet nicht, dass es nach diesem Datum automatisch schlecht ist! Sie müssen ein Produkt mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum also nicht wegwerfen, sondern können seine Haltbarkeit anhand von Aussehen, Geruch, Geschmack und Konsistenz bewerten.

Achtung jedoch beim Verbrauchsdatum: Es kennzeichnet leicht verderbliche Lebensmittel wie Fisch, Geflügel oder Fleischprodukte mit dem Vermerk „Zu verbrauchen bis…“. Danach sollten die Produkte nicht mehr gegessen werden!

Für Eier gibt es einen einfachen Frischetest: Sinkt es auf den Boden eines mit Wasser gefüllten Gefäßes und bleibt dort liegen, ist es frisch. Stellt es sich leicht auf, kann man es noch immer zum Backen verwenden. Schwimmt es an der Oberfläche, ist es nicht mehr genießbar! Auch beim Aufschlagen erkennt man die Frische eines Eis: Der Dotter sollte gewölbt und das Eiklar fest sein. Zerrinnt der Dotter und ist das Eiklar flüssig, oder stinkt das Ei, muss es in den Müll!

Eier-Frischetest

Eier-Frischetest

 

3) Optimale Verwendung und Lagerung
Für zahlreiche Lebensmittel gibt es einfache Kniffe und Tricks, um sie länger haltbar zu machen oder weniger davon zu verschwenden. Ein paar ausgewählte finden Sie hier:

  • Ingwer mit einem Löffel schälen, damit man nichts von der Knolle verschwendet.
  • Knoblauch und Zwiebel bleiben länger frisch, wenn sie kühl und dunkel gelagert werden – z.B. in einem Topf aus Ton oder Keramik mit Lüftungslöchern, oder einem einfachen Papiersackerl mit Löchern.
  • Austreibenden Knoblauch in eine Schale mit etwas Wasser stellen – wenn der Trieb etwa 10 cm lang ist, kann man das oberste Drittel der Sprossen wunderbar mit Salat, Gemüse, Pasta oder belegtem Brot essen.
  • Bananen bleiben länger frisch, wenn man den Stiel mit Frischhaltefolie einwickelt – am besten zuerst jeden einzeln und dann alle zusammen. Aus braunen Bananen kann man noch immer Bananenkuchen oder Bananenchips machen!
  • Salat, Spargel und Karotten halten länger, wenn sie in einem leicht feuchten Tuch eingewickelt im Kühlschrank liegen.
  • Frühlingszwiebel, Lauch und Zitronengras wachsen in einem Wasserglas einfach nach: Dazu die unteren 2–3 cm mit den Wurzeln in ein Wasserglas stellen.

Nicht alles, was schimmelt, muss weggeworfen werden. Je flüssiger ein Lebensmittel ist, desto schneller breiten sich die Toxine aus: Säfte, Saucen, Kompotte, Fleisch, Wurst, Milchprodukte, Brot und wasserreiches Obst und Gemüse am besten immer entsorgen. Kleine Schimmelflecken bei Hartkäse oder Karotten können jedoch einfach weggeschnitten werden!

 

4) Ökologische Küchenhelfer
Eine gute Alternative zu Frischhalte- und Alufolie ist z.B. die ökologische Snackverpackung BocnRoll: Die umweltfreundliche Verpackung fürs Pausenbrot ist bei 30°C waschbar, lässt sich sehr leicht reinigen und ist immer wieder verwendbar.

Auch für angeschnittene Lebensmittel gibt es eine tolle Lösung: Bienenwachstücher bestehen aus Bio-Baumwolle, Bienenwachs und Jojobaöl. Damit lassen sich Käse, Brot und Gemüse einwickeln und Schüsseln abdecken. Lebensmittel bleiben so länger frisch, ohne mit Schadstoffen aus Folien belastet zu werden – ganz zu schweigen von der Umweltbelastung durch Wegwerffolien.

DIE MARILLA meint: Tolle und sehr praktische Hilfsmittel, die wir in der Küche nicht mehr missen wollen!

 

5) Gekonnte Restlverwertung
Selbstverständlich sollten Lebensmittel- und Speisereste nicht einfach weggeworfen, sondern weiterverwendet werden. Auch für die Reste in Gläsern gibt es gute Tricks: Schütten Sie warme Milch in ein leeres Schokoaufstrich-Glas – und schon haben Sie einen schokoladigen Kakao aus den Resten gewonnen.

Das gleiche Prinzip gilt für Pesto- und Saucengläser: Einfach die Nudeln oder gewünschten Lebensmittel darin schütteln und schwenken. Reste aus Mayonnaise- und Senfgläsern lassen sich mit Essig und Öl zu einem Salatdressing verarbeiten, genauso wie Öl oder Essig von eingelegtem Gemüse (z.B. Oliven oder getrocknete Tomaten)!

 

6) Passende Mengen kochen
Meistens stimmen die Mengenangaben bei Rezepten nicht mit dem persönlichen Hunger überein. Gerade bei gut haltbaren Lebensmitteln wie Nudeln und Reis macht es Sinn, die persönliche Portion abzuwiegen und so immer die richtige Menge zu kochen.

Bleibt gekochtes Essen übrig, kann man es einfrieren, am nächsten Tag essen oder ein neues Gericht daraus kreieren. Zum Wegwerfen ist es auf jeden Fall zu schade!

 

7) Foodsharing nutzen
Wenn doch etwas übrig bleibt, kann man Lebensmittel- und Speisereste z.B. auf der Plattform Foodsharing kostenlos zum Abholen anbieten. Aktuell freuen sich auch Flüchtlinge oder Obdachlose über frisch gekochte Essensspenden!

 

8) Restlkochen wie bei Oma

Restlkochen

Restlkochen

Restlkochen ist mittlerweile eine eigene Kunstform geworden. Initiativen wie Wastecooking oder Das ist doch noch gut zeigen Ihnen, wie aus vermeintlichem Müll noch leckere Gerichte entstehen.

Die Foodbloggerin Lisa Casali hat mit „Grün kochen? Ökologisch!“ ein eigenes Buch mit 120 vegetarischen und veganen Rezepten darüber geschrieben, welche Teile von Obst und Gemüse normalerweise weggeschmissen werden und was man daraus zaubern kann.

Lisa Casali Gruen Kochen

Lisa Casali „Gruen Kochen“

 

9) Der Sonderfall Brot
Brot wird in Österreich am meisten weggeworfen. Stop! Mit diesen Tipps lässt sich die Verschwendung vermeiden:

  • Wer viel frisches Brot gekauft hat und weiß, dass er es in den nächsten 1–2 Tagen nicht verbrauchen wird, friert am besten einen Teil ein – geschnitten oder als Ganzes. Das aufgetaute Brot schmeckt wie frisch und wird nicht alt oder trocken!
  • Brot hält sich am besten in einem Brotkasten. Dieser erfüllt die Lageranforderungen optimal: Sauber, trocken und belüftet mit einer Temperatur von 12–18°C. Ein Brotsack oder Küchentuch eignet sich aber auch gut.
  • Mit der Schnittfläche nach unten gelagert, trocknet das Brot nicht so schnell aus! Wenn das Behältnis wöchentlich mit Essigwasser gereinigt wird, beugt man außerdem Schimmel vor.
  • Weißbrot oder Gebäck, das nicht mehr ganz frisch ist, lässt sich problemlos aufbacken: Einfach vorher die Kruste mit Wasser bestreichen und für ein paar Minuten im vorgeheizten Ofen backen!
  • Altbackenes Brot oder alte Semmeln kann man sehr gut zu Semmelböseln oder –würfeln verarbeiten. Aus ein paar Scheiben altem Brot oder Semmeln lässt sich auch ganz ohne Schlagobers eine tolle Cremesuppe machen: Einfach in die Suppe geben und mit dem Stabmixer pürieren!
  • Online gibt es super Rezepte, um altes Brot vor dem Müll zu retten: Von Suppen über Salate bis zum Dessert!
  • Beim Brotautomat der Bäckerei felzl in der Schottenfeldgasse gibt es jeden Tag nach Ladenschluss um 20 Uhr übrig gebliebenes Brot zu einem günstigeren Preis!
Brotautomat felzl

Brotautomat felzl

 

Es gibt also wirklich viele Möglichkeiten, der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. Welche sind Ihre liebsten Öko-Kochtipps? Unser Filmtipp zum Thema ist übrigens die deutsche Dokumentation „Taste the waste“:

 

 

In Kategorie: Allgemein

Über die Autoren

Sandra und Yvonne sind die Inhaberinnen von DIE MARILLA, Wiens grüner Werbeagentur. Sie bloggen hier über Nachhaltigkeit im Privat- und Berufsleben. Und informieren über DIE MARILLA-Neuigkeiten.

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