Nachhaltige Geldanlage

Illustration: 2Dream Productions, Foto: daria nepriakhina/magdeleine.com

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Nachhaltige Geldanlagen: Interview mit einer Good Bank

Die Bank für Gemeinwohl drückt den „Reset-Knopf“ und besinnt sich auf das ursprüngliche Kerngeschäft einer Bank: Sparen, Kredite und Zahlungsverkehr. Die neue Ethikbank startet – voraussichtlich ab Ende 2016 – klein, setzt auf Sicherheit und wird überlegt und maßvoll wachsen.

Bei so einem spannenden und auch heiklen Thema stellen sich viele Fragen, die uns Vorständin der aktuellen Genossenschaft Christine Tschütscher beantwortet hat:

DIE MARILLA: Was bedeutet „Good Bank“?

Christine Tschütscher: Die Idee zur Bank entstand 2008 als Reaktion auf die Finanz- und Bankenkrise. Als Gegenentwurf zu Josef Ackermanns Forderung nach einer „Bad Bank“ entwickelten wir die Idee einer „Good Bank“. Heute ist unser Ziel, die erste ethische Alternativbank Österreichs zu gründen: eine Bank, die nicht gewinnorientiert agiert, sondern das Gemeinwohl voranstellt. Das bedeutet, dass wir uns Spekulation sowie intransparenten Finanzprodukten verweigern und Kredite in Zukunft nur nach sorgfältiger Evaluierung vergeben: Das Projekt muss Kriterien rund um Ökologie, Regionalität, Chancengleichheit der Geschlechter u.a. entsprechen.

DIE MARILLA: Wo steht das Projekt zurzeit?

Christine Tschütscher: Das Projekt hat innerhalb des letzten Jahres große Dynamik gewonnen. Im Dezember 2014 wurde eine freie Genossenschaft gegründet, die nun das erforderliche Startkapital bereitstellen soll. Aktuell stehen wir bei über 1,5 Mio. an gezeichnetem Kapital. Mit 6 Mio. kann die Banklizenz bei der FMA beantragt werden, danach muss weiter Kapital gesammelt werden. Wir hoffen, innerhalb des nächsten halben Jahres soweit zu sein.

DIE MARILLA: Was sind die nächsten Schritte?

Christine Tschütscher: Mit Oktober starten wir mit unserer bundesweiten Österreichkampagne, um neue Genossenschafter einzuladen. In allen Bundesländern gibt es eine Auftaktveranstaltung, bei der das Projekt vorgestellt wird und die Fragen beantwortet werden können. Derzeit suchen wir eine Bankvorständin oder einen Bankenvorstand.

DIE MARILLA: Wird es später auch Filialen Ihrer Good Bank geben?

Christine Tschütscher: Filialen sind kostenintensiv, vorderhand wird es bei der Wiener Niederlassung bleiben. In den Bundesländern wird es mobile Berater geben sowie Geldentnahmestellen.

DIE MARILLA: Was war die größte Herausforderung bis jetzt?

Christine Tschütscher: Ein Unternehmen zu führen, in welchem großteils ehrenamtliche MitarbeiterInnen beschäftigt sind, und diese zu motivieren, die vorhandene Begeisterung zu einer dynamischen Projektentwicklung zu kanalisieren. Einerseits arbeiten hier viele KommunikationsexpertInnen und Kreative, andererseits straighte Bankfachleute. Das fordert auf beiden Seiten intensive Lernprozesse.

DIE MARILLA: Was war das schönste Erlebnis bis jetzt?

Christine Tschütscher: Als nach monatelangen Bemühungen im Dezember 2014 unsere freie Genossenschaft eingetragen wurde – das war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Bank.

Bank für Gemeinwohl

Jubel zur Firmenbucheintragung, Foto: Aleksandra Pawloff

DIE MARILLA: Mit welchen Kosten (Kontoführung, Kreditkarte, etc.) wird der Kunde zu rechnen haben?

Christine Tschütscher: Die Kontoführung zählt für eine Bank zu den teuersten Posten, weil die Bankensoftware kostspielig ist, und wir werden Kostentransparenz leben. Die Kontoführungsgebühren werden um die 8 € monatlich betragen, und es wird ein Kontingent für sozial Schwache geben.

DIE MARILLA: Wird es einen Überziehungsrahmen geben? Wenn ja, auch für kleine Unternehmen?

Christine Tschütscher: Es wird einen geringen Überziehungsrahmen für Private geben, und für kleine Unternehmen Überziehungen je nach Notwendigkeit in persönlicher Absprache, denn die Förderung der Realwirtschaft ist unser Kernanliegen.

DIE MARILLA: Wie hoch ist das Risiko für Investoren und zukünftige Kunden?

Christine Tschütscher: Die Kunden tragen kein Risiko, denn wir werden auf eine besonders hohe Eigenkapitalabdeckung achten – die Kreditausfälle sind erfahrungsgemäß in Ethikbanken extrem gering. Derzeit sind unsere GenossenschafterInnen unsere InvestorInnen. Sie riskieren maximal das Doppelte des investierten Genossenschaftsbeitrags („Nachschusspflicht“), aber wir wirtschaften extrem sparsam. Ab 200 € kann man bei uns Mitglied werden, Maximalinvest sind 100.000 €. Wer zeichnet, kann im Rahmen von Abstimmungen und Events die Entwicklung der Bank mitbestimmen und setzt ein Zeichen für ein faires, nachhaltigeres Finanzsystem in Österreich. Das Jahr 2016 wird entscheidend für uns sein: Es wird sich zeigen, ob die ÖsterreicherInnen eine eigene Ethikbank mitgründen möchten. Wir rufen alle auf, JETZT zu zeichnen, vielen Dank!

Christine Tschütscher

Christine Tschütscher

Was können Sie tun?
Die Bank für Gemeinwohl freut sich über jede Mitarbeit, Kooperation, Spende und finanzielle Beteiligung an der Genossenschaft, doch Sie können auch ohne den Einsatz von Geld dazu beitragen, dass die Bank für Gemeinwohl entsteht: Werfen Sie einfach einen Blick auf die Checkliste zum Aktiv-werden!

In Kategorie: Business

Über die Autoren

Sandra und Yvonne sind die Inhaberinnen von DIE MARILLA, Wiens grüner Werbeagentur. Sie bloggen hier über Nachhaltigkeit im Privat- und Berufsleben. Und informieren über DIE MARILLA-Neuigkeiten.

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