Green Event

Illustration: 2Dream Productions, Foto: Alexandra Bucurescu/pixelio.de

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Vorhang auf für den Song Contest als Green Event!

Wir können es noch gar nicht so richtig glauben: Nach 48 Jahren findet der Eurovision Song Contest wieder in unserem schönen Wien statt! 100.000 BesucherInnen werden im Mai in der Wiener Stadthalle erwartet. Und: Der 60. Eurovision Song Contest findet erfreulicherweise erstmals in seiner Geschichte als sogenanntes Green Event statt.

Das österreichische Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) und der ORF setzen damit neue Standards für umweltfreundliche Events: schließlich ist der ESC mit rund 200 Millionen ZuschauerInnen das größte TV-Event der Welt. Wir freuen uns über diesen Meilenstein und ökologischen Fortschritt!

Was bedeutet der Begriff „Green Event“ eigentlich?

Bei einem Green Event geht es darum, Veranstaltungen nachhaltig zu planen und durchzuführen, d.h. nach ökologischen und sozial verantwortungsvollen Kriterien zu organisieren. Seit April 2012 gibt es das Österreichische Umweltzeichen für Green Meetings und Green Events des Umweltministeriums. Es zeichnet Veranstaltungen aus, die sich durch ihre nachhaltige Organisation hervorheben und bestimmte Kriterien erfüllen, und ist europaweit einzigartig!

Hier können Sie die Richtlinie UZ 62 für Green Meetings und Green Events downloaden. Damit Sie es aber nicht machen müssen, haben wir uns für Sie durch die 47 Seiten Rechtstext gequält und haben Ihnen die wichtigsten Infos zusammengefasst!

Zurzeit sind rund 60 österreichische Unternehmen Lizenznehmer des Umweltzeichens, ca. 300 Meetings und 100 Events wurden bereits damit zertifiziert. Der Song Contest wird bis jetzt aber das mit Abstand größte Green Event werden! Wir sind gespannt!

Die 9 Kriterien eines Green Events

Egal ob Kongress, Tagung, Forum, Messe, Ausstellung, Seminar, Festival oder sonstiges Event: Diese 9 Kritieren muss ein Green Event erfüllen, wenn es mit dem österreichischen Umweltzeichen zertifiziert werden und auch damit in der Kommunikation nach außen werben will.

In jeder Kategorie gibt es dabei MUSS-Kriterien, die unbedingt erfüllt werden müssen, und zusätzliche Punkte für weitere optionale Kriterien. In jeder Kategorie muss, je nach Art des Events, eine bestimmte Punkte-Anzahl erreicht werden. Hier ein Überblick über die 9 Kriterien:

1) Mobilität und Klimaschutz
Die Muss-Kriterien für ein Green Event sind:

  • Der Veranstaltungsort ist öffentlich oder mit einem Shuttle erreichbar
  • Vorrangige Kommunikation einer klimaschonenden An- und Abreise an die TeilnehmerInnen
  • Side Events sind zu Fuß, öffentlich oder mit einem Shuttle erreichbar

Bonuspunkte gibt es z.B. für einen zentral gelegenen Veranstaltungsort mit öffentlicher Verkehrsanbindung, Mobilität vor Ort und von Seiten der Veranstalter, Erreichbarkeit der Unterkünfte, Fahrradabstellplätze oder die Information und Kompensation von CO2-Emissionen der TeilnehmerInnen.

Mobilität

Foto: Peter Freitag/pixelio.de

2) Unterkunft
Ein Green Event muss auf jeden Fall Folgendes aufweisen können:

  • Nächtigungsangebot in mindestens einer Unterkunft mit Umwelt-Zertifizierung
  • Kommunikation des Green Events und der Umweltstandards an Unterkunftsbetriebe

Weitere Punkte können Veranstalter über die unterschiedlichen Umweltstandards der jeweiligen Unterkunftsbetriebe verdienen.

3) Veranstaltungsstätten
Zu den Muss-Kriterien für permanente und temporäre Gebäude gehören unter anderem:

  • Kommunikation der Umweltstandards an Veranstaltungsstättenbetreiber
  • Nachhaltiges Abfallwirtschaftskonzept, v.a. für (mobile) Toiletten und Abwasser
  • Keine Veranstaltungen in sensiblen Naturräumen
  • Keine Beheizung mit Strom oder Gaspilzen im Freibereich
  • Erstellung eines Schutzkonzeptes für Freiflächen
  • Einschränkungen bei der Stromversorgung, z.B. Bezug aus dem öffentlichen Netz oder einem Stromaggregat mit Partikelfilter

Noch mehr Punkte gibt es beispielsweise für Barrierefreiheit, ein Konzept zur Optimierung des Energieverbrauchs, energiesparende Beleuchtungstechnik, Ökostrom oder umweltfreundliche Geräte.

4) Beschaffung, Material- und Abfallmanagement
Folgende Punkte müssen für dieses Kriterium erfüllt sein:

  • Prüfung und falls notwendig Adaptierung des Abfallwirtschaftskonzeptes des Veranstaltungsortes
  • Einschränkungen bei der Verpflegung (Mehrweggeschirr, Großgebinde, gratis Leitungswasser, keine Dosen oder Kapselsysteme)
  • Information der TeilnehmerInnen und MitarbeiterInnen über Abfallvermeidung und –trennung
  • Werden Namensschilder oder Badges verteilt, werden diese nach der Veranstaltung zur Wiederverwendung eingesammelt
  • Gewisse Einschränkungen für Papier und Druck hinsichtlich minimalem Ressourcenaufwand und Papierqualität

Weitere Punkte bekommen Veranstalter z.B. für die Verwendung von mit dem Umweltzeichen zertifizierten Druckwerken, das Mieten von Geräten mit dem Energy Star oder den Verzicht auf bzw. Einschränkungen bei der Dekoration.

5) AusstellerInnen und MessestandbauerInnen
Sollen bei einem Green Event Aussteller oder Messestände mitwirken, so gelten folgende Voraussetzungen:

  • Kommunikation von Umweltkriterien und Empfehlungen an die AustellerInnen
  • Vertragliche Vereinbarungen mit den AusstellerInnen bezüglich Abfallmanagement, Einweggeschirr, wiederverwendbaren Materialien etc.

Darüber hinaus gibt es Extrapunkte für die Verringerung von Drucksorten und Give-Aways im Ausstellungsbereich, die Wiederverwendung von Ständen und umweltfreundliche Stände.

6) Catering und Gastronomie
Bei einem Green Event sind folgende Bedingungen im Bereich der Verpflegung ein Muss:

  • Vertragliche Vereinbarung über die Kriterien
  • Mehrweggeschirr, Mehrweg- oder Großverpackung von Getränken
  • Abfallvermeidung und umweltverträgliche Abwasser- und Lebensmittelentsorgung
  • Saisonalität, Regionalität, Tier- und Artenschutz, Eier aus Freilandhaltung, Meerestiere aus Wildfang mit Gütesiegel oder biologischer Aquakultur
  • Ein vegetarisches oder veganes Gericht
  • Kommunikation an MitarbeiterInnen und Gäste

Wer zusätzlich Punkte erhalten will, bietet z.B. Bio- oder Fair Trade-Produkte an oder setzt auf ein fleischloses Catering.

Bei der Beauftragung eines Cateringunternehmens, das selbst mit dem österreichischen Umweltzeichen zertifiziert ist, sind viele dieser Kriterien hinfällig!

Ein Green Meeting oder Event muss

  • nach innen und außen als solches kommuniziert werden
  • eine/n AnsprechpartnerIn vor Ort haben und
  • die TeilnehmerInnen nach Feedback fragen.

Mehr Punkte gibt es für die Kommunikation mit AnrainerInnen, die Übermittlung von Kennzahlen und die Kommunikation der Umweltstandards der Unterkünfte an die TeilnehmerInnen.

Bio-Catering

Foto: jaymantri.com

8) Soziale Aspekte
Für die Zertifizierung gibt es nur ein Muss-Kriterium:

  • ein Sicherheitskonzept für Events mit mehr als 1.000 Teilnehmern.

Weitere Punkte bekommen Green Events, die z.B. eine Security Firma mit besonderen Qualifikationen beauftragen, TeilnehmerInnen mit Behinderung entsprechend unterstützen, Gender Mainstreaming und Diversity praktizieren oder besondere Angebote für StudentInnen, SeniorInnen oder regionale Sozial-, Kultur- oder Naturinitiativen bereitstellen.

9) Veranstaltungstechnik
Bei einem Green Event ist Voraussetzung, dass

  • bei einem Dauerschallpegel von über 80 dB BesucherInnen über Gesundheitsschäden informiert und kostenlos Gehörschutzmittel angeboten werden, und
  • Special Effects wie Pyrotechnik, Konfetti, Deko-Schnee, Schaum o.Ä. nicht eingesetzt werden.

Weitere Punkte gibt es für LED-Scheinwerfer und ein energieeffizientes Technikkonzept.

Generelle Anforderungen an den „grünen“ Veranstalter

Natürlich soll im Idealfall nicht nur das einmalige Event, sondern auch der Veranstalter in seinem alltäglichen Betrieb nachhaltig sein. Neben den 9 Kriterien für Green Events gibt es in der Richtlinie deswegen noch „13 grundsätzliche Anforderungen an LizenznehmerInnen“, nämlich

  • an die Unternehmensführung (z.B. Leitbild zu Umwelt und Nachhaltigkeit, Green Events Beauftragter, Schulung der MitarbeiterInnen)
  • an Büro und Beschaffung (z.B. umweltfreundliche Papierwaren, Druckwerke, Elektronik, Reinigungsmittel, Abfalltrennung, Lebensmittel)
  • an die allgemeinen Ressourcen (z.B. Kooperation mit umweltfreundlichen Dienstleistern und Anbietern laut Green Event-Datenbank) und
  • an die Kommunikation (z.B. Bewerbung von Green Events und Umweltzeichen).

Alle Anforderungen an Veranstalter und Events sind in der Richtlinie für Green Events detailliert einzusehen!

Veranstalten auch Sie ein Green Event!

Im Privat- wie auch im Berufsleben besuchen Sie zahlreiche Events und Meetings und veranstalten diese mitunter auch. Neben der umfangreichen Information über Green Meetings und Green Events finden Sie auf der Website des Umweltministeriums auch Tipps für umweltfreundliche Festivals, eine Broschüre über ökologische Sportveranstaltungen, einen Link zu nachhaltigen Werbegeschenken oder die Einladung zur Green Events Austria Konferenz im Mai 2015!

Mehr Infos zu Green Events bekommen Sie auch auf www.umweltzeichen-meetings.at und www.oekoevent.at. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Organisation eines Green Events und unterstützen Sie gerne!

In Kategorie: Business, Event

Über die Autoren

Sandra und Yvonne sind die Inhaberinnen von DIE MARILLA, Wiens grüner Werbeagentur. Sie bloggen hier über Nachhaltigkeit im Privat- und Berufsleben. Und informieren über DIE MARILLA-Neuigkeiten.

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